Bayern-Wahl als Vorbote gesellschaftlichen Umschwungs?

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Viele Wörter wurden am vergangenen Sonntag benutzt, um das Ergebnis der Bayern-Wahl zu beschreiben: Auf der einen Seite waren es solche wie Niederlage, Katastrophe und Blamage, auf der anderen Seite Umschwung, Veränderung und Volkeswille.

Erstere als Versuch, den Niedergang der alt eingesessenen CSU in Worte zu fassen, letztere, um genau dieses mit dem Aufschwung der Grünen zu tun.

Mehr als verdient könnte nun abschließend festgehalten werden. Nachdem, was sich die einstige Bayern-Partei geleistet hat: Rassistische Äußerungen von Innenminister und Noch-Parteichef Horst Seehofer sowie die Real-Satire um Markus Söder und seine Raumfahrtgesellschaft Bavaria One und dem Kreuzerlass, der eine Beleidigung für die Trennung von Kirche und Staat ist.

Nun möchte ich diese Zeilen weniger der CSU widmen, da diese nur noch ein Schatten ihrer selbst ist und ihre Chancen einer Volkspartei nach vielen Jahren Alleinherrschaft im Süden Deutschlands verwirkt hat.  Viel wichtiger ist das Ergebnis der Grünen, da dieses viel spannender zu deuten ist.

Die Volkspartei ist tot, es lebe die Volkspartei!

Ist der Aufschwung der Grünen, der nicht nur in Bayern, sondern deutschlandweit zu beobachten ist, ein Gegentrend zum erstarkenden Rechtspopulismus in Deutschland und Europa? Besteht tatsächlich Interesse an einem gesellschaftlichen Umschwung, weg von den Ex-Volksparteien CDU und SPD? Oder ist es doch nur eine Gegenmaßnahme, um das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen, weil der Sommer 2018 vielleicht doch ungewöhnlich heiß war?

So oder so: Es zeigt sich, dass es durchaus noch möglich ist, zumindest ein wenig am hiesigen politischen System zu rütteln. Das scheint Berlin aktuell jedoch wenig zu kümmern. Die beiden Schwesterparteiern CDU/CSU haben sich zumindest die Macht in der Regierung gesichert und setzen nun auf das beliebte Weitermachen, wie die Koalitionsgespräche mit den Freien Wählern zeigen. Die fast 18 % für die neue grüne Volkspartei, wie sie von manchen schon genannt wird, werden gekonnt ignoriert. Und das nicht nur von Schwarz, sondern auch von Rot. Das lässt vermuten, dass auch die anstehende Wahl in Hessen nichts daran ändern wird.

Ein Umschwung, aber wohin?

Am Ende bleibt die Frage, wohin dieser Umschwung führt, sofern er denn stattfindet? Es hat nur wenige Jahre gedauert bis die AfD in Deutschland aufgetaucht und in jedem deutschen Landtag vertreten ist – auch in Hessen wird sie aller Voraussicht nach Plätze bekommen. Sind nun die Grünen am Zug? Führt das Erstarken der AfD und das Versagen von CDU und SPD auf diese zu reagieren, nun dazu, dass die Grünen aufblühen? Das muss die Zukunft zeigen.

Feststeht, dass die Bevölkerung mehr als je zuvor einen gesellschaftlichen Wandel in der Hand hat. Ob sie ihn lange genug will, um ihn auch durchzusetzen, bleibt abzuwarten.

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