Der Mensch ist böse, nicht das Internet

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Es bleibt ein Thema mit Hochkonjunktur: die Bösartigkeit des Internets und insbesondere der sozialen Medien. Gerade in Wahlkampf-Zeiten wird immer wieder darauf verwiesen, dass sie in der Lage sind, Wahlausgänge zu manipulieren und Parteien in politischen Misskredit zu bringen. Ja, das mag zum Teil stimmen. Es gibt Regierungen wie China und Russland, die soziale Netzwerke einsetzen, um Einfluss auf die Bevölkerung zu nehmen. Ich glaube jedoch, dass einfach viele Menschen im Internet Arschlöcher sind.

Der Mensch nutzt das Internet, nicht andersrum

Das Internet und damit auch soziale Netzwerke sind eine neue Form von Plattform, auf der sich Menschen aufhalten und miteinander interagieren. Im Grunde erstmal ein Werkzeug. Ein Werkzeug, das nichts dafür kann, dass es missbraucht wird. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich Twitter, Facebook etc. nicht von ihrer Verantwortung befreien, sich um Hass und Hetze zu kümmern, aber es sind nun mal (im Normalfall) einfache Menschen, die es benutzen. Menschen, die damit keine guten Absichten haben.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass das in der Diskussion um die „neuen Medien“ – wie sie schon seit 15 Jahren genannt werden – untergeht. Wir als Gesellschaft tragen die Verantwortung dafür, dass in unserer Mitte scheinbar Menschen aufwachsen, die moderne Technologien nur dafür nutzen wollen,  Zwietracht zu säen. Und dann sollten wir uns auch darum kümmern, nicht nur Facebook, Twitter und co. Ja, schwarze Schafe gibt es immer. Aber es hat mittlerweile Ausmaße erreicht, in denen wir uns als Gesellschaft fragen müssen, wie lange wir das noch erdulden wollen.

Was machen mit Hatern und Hetzern?

Glücklicherweise erlebe ich Hater, Shitstorms und Drohungen immer nur aus zweiter Reihe, wenn ich davon lese oder höre. Darum wage ich auch nicht zu behaupten, wie man damit umgehen kann oder sollte. Aber ich bin der Meinung, dass wir das alles eindämmen könnten, wenn wir das Auseinander-Driften unserer Gesellschaft verhindern.

Was meine ich damit? Ich habe das Gefühl, dass wir alle den Bezug zu einander verlieren. Damit meine ich nicht (nur), dass wir alle in unseren Blasen leben, sondern auch, dass wir gar nicht mehr wissen, wer wir sind und wer alles zu unserer Gesellschaft gehört. Wir interagieren nicht mehr miteinander. Es fehlen uns – Achtung, pathetisch – Orte der Zusammenkunft. Und damit meine ich nicht Festivals, Kinosäle oder Kneipen. Ich meine Orte, an denen wir mit Menschen in Kontakt treten, die nicht der gleichen sozialen Herkunft, Ethnie oder Bildung entsprechen. Und die sollten vor allem real und analog sein. Weil wir es im Internet offensichtlich einfach nicht schaffen, obwohl es uns so unendlich viele Möglichkeiten dafür bietet.


Bildnachweis: Magnus Mueller /Pexels

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