Europa? Kenn ich nicht!

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Europa hat gewonnen – so sprang es einem aus den Nachrichten entgegen, kurz nachdem die Europawahlen endgültig abgeschlossen und die Ergebnisse gezählt waren. Zwar hatten die klassischen Volksparteien verloren, aber insgesamt konnten die Europafreunde, allen voran die Grünen, bei der Wahl zulegen. Die Rechtspopulisten und Anti-Europäer konnten dies zwar ebenfalls, aber immerhin weniger als gedacht. Die Freude über das Ergebnis mag also angebracht sein, kommt jedoch zu früh. Und geht auch zu schnell wieder.

Wo vor einigen Wochen noch Europa, heute wieder nur Deutschland

Die Europa-Euphorie konnte sich nach dem finalen Ergebnis der Wahl nur schwer aufrecht erhalten. Klang es doch in den Wochen des Wahlkampfes noch gänzlich anders: Europa sei unsere Chance, Europa könne Europa nur zusammen schaffen und und und.

Was davon geblieben ist? Beinahe nichts. Heute beschäftigt sich jedes Land wieder mit sich selber. In Deutschland kämpft die SPD weiterhin mit der eigenen Linie, die CDU mit YouTubern und der Generation Z; ja selbst die EU ist mehr mit der Findung von neuen Kommissaren und Vorsitzenden beschäftigt als mit inhaltlichen Problemen. Nur Tage danach zeigen weder Öffentlichkeit, noch Medien sonderlich großes Interesse an Europa.

Nur das Mindeste getan

Wer jetzt sagt, dass er/sie wählen war und die eigene Stimme genutzt hätte, um gegen Nazis und Rechtspopulisten zu stimmen, der hat zwar etwas getan, aber im Grunde nur das Mindeste, was uns als in einer Demokratie lebenden Bürgern zusteht. Erst einmal mögen Faktoren wie die gesteigerte Wahlbeteiligung ein guter Anfang sein, aber um einen weiteren Ruck Europas nach rechts zu verhindern, braucht es mehr. Es braucht eine aufgeklärte Zivilgesellschaft, die weiß, was uns Europa als Völkergemeinschaft bringt und warum es auch mal ok ist, wenn da was nicht funktioniert.

Hier geht es um basale politische Aufklärung, um den Europa-Gegnern nicht nur logisch gegenübertreten zu können, sondern vor allem um eine gemeinsame politische Vision zu etablieren, die jenem Schlag von Menschen gar nicht erst die Chance gibt, fruchtbaren Boden für anti-europäische Parolen zu finden.

Doch daran fehlt es nicht nur hierzulande weiterhin, sondern eben europaweit. Bleibt abzuwarten, ob und wann sich das noch ändern wird.

 


Bildnachweis: Waldemar Brandt / Unsplash

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