Nicht immer auf Trump und Johnson zeigen

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Es ist also geschehen: Boris Johnson, ein Mann, der mithilfe eines mit Lügen bedruckten Busses den Brexit ins Rollen gebracht hat, ist britischer Premierminister. Und sogleich setzen Spott und Häme aus den anderen Ländern Kontinentaleuropas ein. Wie konnten die Briten denn nur so jemanden an die Macht lassen? Ein Mann, der sich schon als Londoner Bürgermeister blamiert hat. (Ich empfehle dazu das Video von John Oliver zum Thema Boris Johnson – sehr unterhaltsam.)

Ich möchte an dieser Stelle zur Vorsicht und zur Zurückhaltung ermahnen. Nicht, weil Johnson nicht ein Betrüger ist, der den Spott nicht verdient hätte, sondern weil wir uns zuerst an die eigene Nase fassen sollten. In einem Land, in dem die stärkste Oppositionspartei im Bundestag eine diskriminierende, rechtsrextremistische Partei ist, haben wir nicht das Recht noch auf andere zu zeigen.

Kein Rechtsruck

Johnson wie auch Trump finden sich in ähnlicher Form mittlerweile auf der ganzen Welt wieder. Sie stehen für etwas, was sich schon seit längerem abzeichnet. Konservativismus, der über alle Ziele hinaus geschossen ist und aus dem Abschottung und Populismus entsprungen sind. Gerne wird hier auch von „Rechtsruck“ gesprochen. Ich mag diesen Begriff nicht. Er steht für etwas plötzliches, das unerwartet kommt und schnell passiert. Aber dieser Ruck, der ist keiner. Es ist stetiger, permanent und eigentlich schon seit langem da. Es ist eher ein Drücken und Schieben, was dazu führt, dass in der öffentlichen Debatte immer mehr zugelassen wird, was eigentlich unausstehlich ist. Ein Ziehen und Zerren, was den gemeinsamen Umgang vergiftet. (Wem hier ein passendes Wort einfällt, kann sich gerne bei mir bei Twitter oder per Mail melden.)

Und wir machen das mit. Oder lassen es zumindest zu. Wie sonst konnten Trump und Johnson so schnell in ihre Ämter gelangen; konnte die AfD innerhalb weniger Jahre stärkste Oppositionskraft werden? Die Salvinis, Le Pens und Wilders‘ dieser Welt sind schon lange auf der öffentlichen Bildfläche, weil wir lieber auf andere Länder zeigen und nicht bei uns auf die Probleme zeigen. Bis sie da sind und nicht mehr schnell wieder zu lösen. Es wird endlich Zeit, wieder die Augen auf das zu richten, was innerhalb unserer Landesgrenzen passiert. Denn hier brodelt es.

 


Bildnachweis: Kevin GrieveUnsplash

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