Politisches Engagement nur wenn’s warm ist?

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Es wird kalt in Deutschland: Der erste Frost bildet sich auf den Straßen und eigentlich will niemand mehr das Haus verlassen, sondern nur noch in den Winterschlaf verfallen. Auch politisch ist es mehr oder weniger ruhig geworden. Die Parteien sind – so scheint es zumindest – mit sich selbst beschäftigt: Die CDU sucht ihren Parteivorsitz, die SPD ihre Wähler, die AFD weiß nichts von Spenden aus der Schweiz und die Grünen befinden sich weiterhin im Höhenflug, wissen aber nicht so recht, wohin sie fliegen wollen. Obwohl nicht minder relevant, sind #wirsindmehr oder #unteilbar wieder beinahe gänzlich aus den öffentlichen Medien verschwunden.

Dabei entstand gerade erst der Eindruck, als würde das politische Deutschland in Bewegung kommen. Leider auch Rechtspopulisten und -extremisten, aber ebenso – und das ist viel wichtiger – die ganzen Gegenstimmen, die sich unter den beiden Hashtags versammelt haben, um Hass und Diskriminierung die Stirn zu bieten.

Die Debatten sind ruhig geworden, die Populisten nicht

In Chemnitz scheint sich die Lage noch nicht ganz beruhigt zu haben. Das zeigt sich an der Stimmung zum Zeitpunkt als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag nach Chemnitz reiste (für mehr Details siehe bspw. bei Spiegel Online: Merkel in Chemnitz– Ab vom Weg). Über 80 Tage nach dem Tod eines Bürgers durch einen Flüchtling und den darauffolgenden Szenen zahlreicher Demos und Gegendemos, die um die ganze Welt gingen.

Dabei wird klar: Chemnitz bzw. Deutschland ist noch immer geteilt. Vor der Halle, in der sich Angela Merkel den Fragen der Bürgerinnen und Bürgern stellt, versammeln sich die, die die Grenzen lieber dicht machen wollen; die, die nationales Gedankengut grölen als wäre es ein Partyhit und alle stimmen ein als wäre es halb drei in der Nacht. Die Mitte, also die klare Mehrheit, schweigt.

War’s das jetzt?

Das ist nun die Frage. Hat sich das politische Deutschland schon in den Winterschlaf verabschiedet? Setzt nun wieder die Bequemlichkeit ein? Wer kann das schon sagen. Ich für meinen Teil hoffe, dass es nicht der Fall ist. Denn wenn das Gros der Menschen erst wieder beginnt aktiv zu werden, wenn die Sonne wieder scheint und die Temperaturen klettern, können sich die Populisten in der Zwischenzeit viel Platz im öffentlichen Raum schaffen. Und eigentlich ist die Mehrheit dagegen.

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